Gemeinde Gächlingen      
 

Bericht und Bild von Marianne Näf            

Ein Bassist packt aus

Der Klassiker von Patrick Süskind fand beim Klettgauer Publikum Anklang. Am letzten Sonntag gab es tiefe Einblicke in das Leben eines Musikers mit Festanstellungspsychose.

Eine Hassliebe könnte kaum treffender beschrieben werden. Vielleicht ist das der Grund, weshalb der abendfüllende Monolog eines Kontrabassisten auch dreissig Jahre nach seiner Entstehung immer noch viele Zuhörer anzieht. Rudolf Fischer vom Teatro Mobile Solothurn spielt im realen Leben Violine und Bratsche. Aber im Stück „der Kontrabass“ wettert er gegen alle anderen Musiker, welche die Rolle des wichtigsten Instrumentes nicht erkennen. „Ein Orchester kann jederzeit auf den Dirigenten verzichten.“ Alles steht und fällt mit dem Kontrabass. Doch wirklich selbstsicher wirkt der Musiker nicht. Er versinkt eher im Selbstmitleid, weil sich niemand für ihn und sein grossartiges Instrument interessiert – leider auch nicht die Mezzosopranistin Sarah, die er heimlich verehrt.

In seiner schallisolierten Stube – in den Gächlinger Gemeindesaal versetzt - nimmt der Bassist kein Blatt vor den Mund. Wenn der Zuschauer nicht wüsste, dass alles nur gespielt ist, könnte es ihn schon peinlich berühren. Auf seiner Gedankenreise erklärt der namenlose Musiker sowohl die technischen Daten seines Instruments als auch seine Beziehung zu den Komponisten. Mit Wagner steht er auf Kriegsfuss. Denn wirklich spielbar sind seine Stücke nur, wenn man mindestens die Hälfte der Noten weg lässt. Trotz seiner Abscheu zu Wagner, kommt er nicht von ihm los –genau so wie vom Kontrabass. Als „Hindernis“ bezeichnet er ihn, der ihm sogar eine Liebesnacht verunmöglicht. Denn er steht immer dabei, als Zuschauer und nicht als Möbelstück. Wer sich nun fragt, warum der unglückliche Musiker nicht den Beruf oder die Stelle wechselt, findet den Grund in seiner Familiengeschichte. Aus Rache an seiner Mutter, die Flöte spielte, wählte er das unhandlichste Instrument, das es gibt und leidet seither unter der Hierarchie des Staatsorchesters. Eigentlich würde er lieber Kammermusik machen, als immer in der Oper zu spielen. Aber dann müsste er mehr üben.

Im Flug gehen eineinhalb Stunden vorbei und der Kontrabassist verabschiedet sich unter grossem Applaus, weil er sich auf den Weg zur abendlichen Premiere machen muss. Ob er es schafft, die Aufmerksamkeit seiner angebeteten Sarah zu gewinnen, bleibt offen.

Es ist dem Organisator Martin Hofmann einmal mehr gelungen, ein Theaterstück nach Gächlingen zu bringen, das mit wenig Kulisse auskommt, aber inhaltlich umso mehr zu sagen hat. Eine Randfigur wurde zum Mittelpunkt, wenigstens für einen Abend.