Die Gächlinger Landfrauen auf Reisen

 

Überall hätt’s Pilzli dra

Auch dieses Jahr traf sich eine erfreulich grosse Anzahl Gächlinger Landfrauen zum Vereinsausflug. Der Car brachte uns zuerst via Erzingen - Lauchringen nach Koblenz. Bei Kaffee und Gipfeli und den ersten Sonnenstrahlen des Tages genossen wir die einstündige Schifffahrt. Sie führte uns den Hochrhein abwärts bis Höhe des Kraftwerks Leibstadt und zurück nach Full. Von der Anlegestelle war es nur eine kurze Fahrt zum Höhepunkt des diesjährigen Ausfluges, der Champignonzucht in Full (AG).

Bis Mitte 80er Jahren wurden die Pilze in einem Gipsstollen gezüchtet. 1987 wurde der modernste Zuchtbetrieb der Schweiz in Full erstellt. In mehreren Kulturräumen wachsen die Champignons in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Das ermöglicht gestaffeltes Ernten und eine ganzjährige, gleich bleibende Produktion.

Der Nährboden, das so genannte Substrat, besteht aus Pferdemist resp. -stroh. Dieses wird in der betriebseigenen Kompostierhalle vorbereitet. Bei diesem Vorgang wird Ammoniak abgebaut, welcher zu einer unangenehmen Geruchsemission führt. Um diese zu reduzieren, wird die Abluft über eine Waschanlage und durch einen Biofilter aus Torf, Kokosfasern und Heidekraut abgeführt.

Nach dem Kompostieren wird das Substrat pasteurisiert und durchlüftet, wobei tierische und pflanzliche Schädlinge vernichtet werden. Dieser Vorgang und die Hygienestandards bei der gesamten Produktion machen es möglich, dass die Champignonzucht ohne Pflanzenschutzmittel auskommt.

Dem vorbereiteten Nährboden wird jetzt die Brut, das Pilzmyzel, beigefügt. Nach 2 Wochen bei Treibhaustemperaturen ist das Substrat von Pilzfäden durchwachsen, wird in den Zuchtraum gebracht und dort mit Erde abgedeckt. Durch eine gezielte Temperaturreduktion ziehen sich die Pilzfäden zusammen und bilden erste, kleine Champignonköpfe. Nach gut drei Wochen erfolgt die erste Ernte und dauert bis zu 4 Wochen.

Die verbrauchte Erde wird nach Ernteabschluss während 10 Stunden auf 60° erhitzt. So nachbereitet, wird sie als Bodenveredler für Reb- und Obstbau weiter verwendet.

Ein kleiner Pilz erobert die Küche

Champignons binden in ihren Zellen sehr viel Wasser, haben einen geringen Anteil an Fett, dafür sehr viel Ballaststoffe. Durch diese Eigenschaften eignen sich die Pilze gut für Reduktionsdiäten. Einen günstigen Einfluss hat der Champignon bei Menschen mit hohem Blutdruck oder erhöhten Blutzuckerwerten, da der Pilz einen hohen Anteil an Kalium und einen geringen Gehalt an Natrium, sowie wenig Glukose aufweist.

Der Champignon muss zum Verzehr nicht geschält werden. Er braucht wenig Zeit zur Zubereitung, kurz unter fliessendem Wasser abspülen, fertig. Zuchtchampignon können kalt oder erhitzt genossen werden. Speisen mit Zuchtchampignon können bedenkenlos aufgewärmt werden.

Nach diesem Einblick in ein interessantes Gebiet der Nahrungsproduktion und beschenkt mit einem Muster deren Erzeugnisses ging es weiter nach Egringen in der Nähe von Lörrach. Im Gasthaus Rebstock erhielten wir ein spätes, ausgezeichnetes Mittagessen - übrigens mit „Pilzli dra….“ Ein Spaziergang durch eine herrliche Landschaft, die an den Klettgau erinnert, machte fit - oder auch müde - für die Weiterfahrt. Durch das Wiesental und am Schluchsee entlang ging es mit einem Zobigzwischenhalt in einem Schwarzwald-Restaurant zurück nach Gächlingen. Monika Heer